Negligé im Liebesnest

Herzog Eberhard Ludwig besuchte im Jahr 1700 Ludwig XIV. in Versailles und wollte es daraufhin dem „Sonnenkönig“ gleichtun: Württemberg sollte ein absolutistisch regierter Staat werden, das neue Residenzschloss in Ludwigsburg dem französischen Vorbild in nichts nachstehen.

Foto: Robin Krahl / CC BY-SA 4.0


Mit über 450 Räumen, zwei Kirchen, einem Theater und großem Innenhof ist das gelungen. In den ausgedehnten Schlossgärten wurden künstliche Wasserfälle und Felsengrotten angelegt.
Eberhards Gemahlin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach aber hatte Hausverbot und musste im ungemütlichen Stuttgarter Stadtschloss bleiben. Der Grund dafür hat einen Namen: Wilhelmine von Grävenitz. Deren Bruder machte die gebürtige Mecklenburgerin mit Herzog Eberhard Ludwig bekannt, der sie „zur linken Hand“ heiratete, denn Johanna Elisabeth willigte nicht in eine Scheidung ein. Die Bigamie missfiel dem Kaiser, so wurde die Vermählung wieder gelöst und Wilhelmine aus Württemberg verbannt. Bei Eberhard Ludwig hatte sie jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der erfinderisch einen Trick ersann. 1710 war die Mätresse wieder im Lande, offiziell als Gattin des Landhofmeisters Graf Würben.

Die Liebenden konnten nun ungestört ihren Interessen nachgehen: Jagd, Musik, Tanz. Rauschende Feste wurden in Ludwigsburg gefeiert, nebenbei ein wenig regiert – schließlich war der Hofstaat mit rund 1.000 Dienern, Damen, Ministern und Günstlingen auch vor Ort. Wilhelmine hatte als Mitglied des „Geheimen Cabinetta“ Einfluss auf Justiz- und Finanzangelegenheiten sowie Gnadensachen. Zu Letzeren schien ihr Liebhaber auf Dauer nicht zu gehören. Während Eberhard Ludwig seiner Angebeteten geradezu verfallen gewesen sein soll, wird von ihr berichtet, dass sie durchaus auch andere Herren im Negligé empfangen habe. Schließlich verstieß der Herzog sie, weil er mit Johanna Elisabeth einen Thronfolger zeugen musste, was ihm jedoch nicht mehr gelang.

Das Schloss erlebte wenig später unter Herzog Carl Eugen erneut eine „Blütezeit“. Die Tänzerinnen und Sängerinnen an der Hofoper waren dem Herrscher auch sonst zu Diensten, 300 uneheliche Kinder soll er gehabt haben. Kein Wunder, dass Giacomo Casanova bei seinem Besuch am Neckar schwärmte: „Neben Paris ist Ludwigsburg einer der prächtigsten Höfe.“ Dann aber floh er überstürzt außer Landes – wegen Spielschulden.


SCHLOSS LUDWIGSBURG >>


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