Hofnarr im Keller

In Heidelberg lebte im 18. Jahrhundert ein lustiger Tiroler namens Clemens Pankert. Vielleicht hieß er auch Giovanni Clementi – das weiß man nicht so genau. Aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit brachte ihn der pfälzische Kurfürst Karl III. Philipp von einer Reise mit an den Heidelberger Hof, wo er fortan der Belustigung der feinen Gesellschaft dienen sollte.

Foto: zvg.


„Perché no (Warum nicht)“, soll Clemens geantwortet haben, als er sich dem edlen Herrn anschloss, der ihn daraufhin „Perkeo“ taufte. Tatsächlich erfreute er den kurfürstlichen Hofstaat mit seinen Scherzen, doch weltberühmt sollte er aufgrund einer anderen Tätigkeit werden.

Der Hofnarr litt nämlich an einem Hormon-Mangel, der zu starkem Wasserverlust führte. Deshalb trank Perkeo seit jungen Jahren angeblich 20 bis 30 Liter am Tag – vor allem Wein. Da traf es sich gut, dass das Heidelberger Schloss das größte Weinfass der Welt beherbergt. Unten, im kühlen Kellergewölbe steht es mit einem Fassungsvermögen von über 220.000 Litern und war über eine Weinleitung mit dem Festsaal verbunden. Allerdings war das Fass selbst offenbar nie mit dem Pfälzer Wein befüllt, sondern diente als Raum für kleinere Fässer, die zu Festlichkeiten hineingestellt wurden.

Warum der Kurfürst ausgerechnet einem so Durstigen die Aufsicht über das Riesenfass übertrug, ist verwunderlich. Aber Karl Philipp erklärte Perkeo zum Mundschenk, ließ ihm eine farbige Uniform samt Orden anfertigen und vertraute ihm den großen Kellerschlüssel an. Nicht nur sich selbst soll der Hofzwerg an unermesslichen Mengen Wein schadlos gehalten haben, er war wohl auch großzügig anderen gegenüber. Auf die Frage, ob man noch ein Glas erhalten könne, soll er wiederum mit „Perché no“ geantwortet haben – warum eigentlich nicht? Diese positive Einstellung zum Alkoholkonsum machte Perkeo im badischen Raum als Kultfigur des Weingenusses landauf landab bekannt.

Der schillernde Hofnarr war schon über 70 Jahre alt, als er das erste Mal ernsthaft erkrankte. Der herbeigerufene Arzt riet ihm dringlich ab, weiterhin Wein zu trinken und empfahl stattdessen Wasser. Widerwillig nahm Perkeo den Rat an – und verstarb am darauffolgenden Tag.

Sein Denkmal steht heute neben dem Fass, seine Schnurren sind im Schloss auf Tafeln angeschlagen. Außerdem begegnet er seit einigen Jahren als Traditionsfigur der Heidelberger Fastnacht, und die ansässige Universität hat ein Neutronen-Zerfall-Experiment nach ihm benannt, was ebenfalls etwas verwundert.


SCHLOSS HEIDELBERG >>


< zurück zu TIPPS