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Haus & Grund Berlin Informationen und Standpunkte 2016 - Wie bekommen wir die Kuh vom Eis?

18 | Herr Stüven, auf den ersten Blick ist der Hamburger Wohnungsmarkt mit dem in Berlin vergleichbar – ist das korrekt? Wie Berlin und andere Großstädte weist auch die Hansestadt ein Kerngebiet auf, in dem viele gerne leben möchten. Während in Berlin jedoch eine größere Streuung verschiedener Kieze vorliegt, konzentrieren sich bei uns die beliebten Wohngebiete um die In- nenstadt. Andererseits sind wir auch mit Lagen konfrontiert, die zwar zentral liegen, aber nicht unbedingt den besten Ruf haben. Beispielsweise ist der Stadtteil Rothenburgsort von der City mit dem Auto keine fünf Minuten entfernt, wird aber schwächer nachgefragt. Er besitzt nur wenig Altbaubestand, bietet kein schickes Ambiente und nur wenig Gastrono- mie. Die Attraktivität dieses Wohngebiets ist demnach nicht sonderlich groß. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, gemeinsam mit Politik, Verwaltung und den anderen Akteuren der Wohnungswirtschaft diese Bereiche zu entwi- ckeln und so die Stadt insgesamt nach vorne zu bringen. Und das nicht erst „seit gestern“. In Hamburg organisierten sich die Eigentümer schon im Jahr 1832; einer der ersten Vereine überhaupt in Deutschland. Über diesen langen Zeitraum wurde der Verband zu einem wichtigen Akteur auf dem Hamburger Wohnungsmarkt. Wir vertreten rund 31.000 Mitglieder, davon sind knapp die Hälfte Selbstnutzer, den leicht überwiegenden Teil stellen die Vermieter. Aufgrund der Niedrigzinsphase steigt allerorten die Zahl der Wohnungseigentümer. So auch bei uns, wobei es sich auch hier sowohl um Menschen handelt, die in ihrer Immobilie wohnen, oder solche, die sie ver- mieten. Das Wohnungseigentumsrecht stellt demnach für unseren Verband ein wachsendes Tätigkeitsfeld dar. Andererseits können Wohnungseigentümer auch mit dem Mietrecht konfrontiert sein und haben diesbezüglich wachsenden Bedarf an Beratung und Unterstützung. 31.000 Mitglieder sind eine Stimme, die man nicht einfach übergehen kann. Da wir auch Eigentümer mit größerem Immobilienbestand zu uns zählen, repräsentieren wir ungefähr 45 Prozent der Wohnungs- wirtschaft. Das hat auch die Politik erkannt. In der vergangenen Legislaturperiode entstand auf Initiative der Stadt ein „Bündnis für das Wohnen“. An ihm sind neben dem Grundeigentümer-Ver- band auch andere Akteure der Wohnungswirtschaft beteiligt: die städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen, der mittelständisch geprägte Verband Frei- er Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) sowie der Maklerverband. Außer dem Senat sitzen auch die Bezirksverwaltungen mit am Tisch – eine sinnvolle Sache, weil sie in der Praxis meist die Ansprechpartner sind, und da- rum auch an der Erarbeitung von Lösungen beteiligt sein sollen. Welche Lösungen konkret? Hilfreich war zum Beispiel der Austausch zu Fragen des Denkmalschutzes und wie er im Blick auf die Renovierung von Gebäuden zum Zuge kommt, um nicht einen Hemmschuh darzustellen. Ein wichtiges Thema ist der Neubau von Wohnungen – von der Po- litik ausdrücklich gewünscht. In der Vergangenheit waren wir je- doch gezwungen, den Baubehörden mangelnde Kooperation vorzuwerfen. Durch häufige Ablehnung von Anträgen und per- manent neue Anforderungen wurden Vorhaben verzögert, sodass man geradezu von „Bauverhinderern“ hätte sprechen müssen, die gegen die Interessen der Bürger arbeiten. Wenn wir bauen sollen und wollen, darf das nicht ständig durch neue Gesetze, Verord- nungen und DIN-Vorschriften behindert werden. Damit wird das Bauen letztendlich nur teurer. Das kann es nicht sein. Wie bekommen wir die Kuh vom Eis? In Hamburg war Haus & Grund als Teil der Wohnungswirtschaft Mitglied im „Bündnis für das Wohnen“. Die von allen Seiten gelobte Gesprächsplattform geriet allerdings durch die Einführung der „Mietpreisbremse“ in eine Krise. Im Gespräch mit Heinrich Stüven, Rechtsanwalt, Vorsitzender Grundeigentümer-Verband Hamburg Ständig neue Gesetze und Verordnungen behindern das Bauen und machen es teu- er. Das kann es nicht sein.

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